Welche Themen interessieren die Mitarbeiter am meisten?

Eine spannende Frage. Denn die Beantwortung hilft dabei, die Herausforderungen der Mitarbeiter besser zu verstehen und gezielter eine Fortbildung  vorzubereiten. In diesem Blogbeitrag, stelle ich Ihnen eine Methode vor, die ich seit Jahren in meinen Kommunikationstrainings anwende und durch die ich herausfinden konnte, welche drei Kommunikations-Highlights die Mitarbeiter am meisten interessieren. Diese Vorgehensweise ist nicht nur in Kommunikationstrainings nützlich, sondern auch in anderen Seminaren einsetzbar.

Zu viele Themen verzetteln

Kommunikation ist ein weites Themenfeld mit vielen Schwerpunkten. In einem Training könnte man sicher über 50 Themenschwerpunkte bearbeiten. Angefangen von „Kritik“ über „Zuhören“ bis „Schlagfertigkeit“. Manche Unternehmen wollen ein Kompaktseminar, mit einer Gruppengröße von zwölf Teilnehmern, welches an einem Tag durchgeführt werden soll. Dabei ist es fast unmöglich jedem Einzelnen voll und ganz gerecht zu werden – dazu fehlt schlichtweg die Zeit. Darüber hinaus besteht die Gefahr, zu viele Themen nur an der Oberfläche anzureißen. Oder zu wenig Themen zu bearbeiten, die eventuell am Gruppenbedürfnis vorbeigehen. Was aber hilft, um einer drohenden Verzettelung vorzubeugen?

Auswählen lassen – aber geheim

Die Methode der geheimen Wahl hat sich bewährt. Hierbei gehe ich folgendermaßen vor:

 

  • SCHRITT 1: 15 Themen zur Wahl anbieten.
    Zuerst biete ich 15 Kommunikationsthemen zur Auswahl an. Das mache ich über den Beamer. Folgende haben sich bewährt:
  1. Zuhören:
    „Wie kann man aktiver zuhören?“
  2. Bestätigen:
    „Wie kann man richtig bestätigen?“
  3. Nein sagen:
    „Wie kann man öfters oder besser Nein sagen?“
  4. Stellung beziehen:
    „Wie kann man deutlich Stellung beziehen?“
  5. Kritik äußern:
    „Wie kann ich eine Kritik angemessen äußern?“
  6. Kritik annehmen:
    „Wie kann man eine Kritik leichter annehmen?“
  7. Kontern:
    „Wie kann man schlagfertiger reagieren?“
  8. Emotionen:
    „Wie kann ich Gefühle leichter erkennen und besser mit ihnen umgehen?“
  9. Tabu ansprechen:
    „Wie kann man etwas Peinliches ansprechen?“
  10. Vertrauen bilden:
    „Wie kann man vertrauensbildend kommunizieren?“
  11. Überzeugen:
    „Wie kann man überzeugend kommunizieren?“
  12. Deeskalieren:
    „Wie kann man aufgebrachte Menschen beruhigen?“
  13. Konfliktmoderation:
    „Wie kann man einen Konflikt moderieren?“
  14. Die Stimme:
    „Wie kann ich meine Stimme wirkungsvoll einsetzen?“
  15. Körpersprache:
    „Wie kann ich meine Körpersprache wirkungsvoll einsetzen?“
  • SCHRITT 2: Drei Themen auswählen.
    Dann sollen die Mitarbeiter sich fragen, welche drei Themen sie am meisten interessieren und die sie gerne bearbeiten wollen.
  • SCHRITT 3: Themen auf eine Moderationskarte schreiben.
    Im nächsten Schritt erhalten die Seminarteilnehmer eine Karte, auf diese sie die Nummer ihrer Lieblingsthemen schreiben.
  • SCHRITT 4: Schwerpunkte setzen.
    Jetzt erhalten die Seminarteilnehmer insgesamt drei Punkte, die sie an die jeweiligen Themen frei vergeben können. Sie können sich also für nur ein Thema entscheiden, das ihnen besonders am Herzen liegt und diesem Thema alle drei Punkte vergeben. Oder sie können jedem Thema ein Punkt vergeben. Oder ein Thema erhält zwei Punkte und das andere Thema nur einen Punkt – das dritte Thema fällt unter den Tisch.
  • SCHRITT 5: Auszählung.
    Die Wahlkarten werden eingesammelt. Und im letzten Schritt, werden die Punkte an der Flipchart ausgezählt und die drei wichtigsten Themen isoliert.

Warum diese Vorgehensweise?

Jeder soll vorab entscheiden, was für ihn am wichtigsten ist. Denn wird die Wahl öffentlich – also der Reihe nach und vorne an der Flipchart gemacht – kann es sein, dass die Teilnehmer durch die bereits vergebenen Punkte beeinflusst werden oder dass der Letzte die Wahl noch entscheidend beeinflussen kann. Durch diese Vorgehensweise, erhält man einen sehr guten Durchschnitt aus individuellen Bedürfnissen und dem Gruppenbedürfnis.  

Welches sind nun die drei Highlights der Kommunikation?

Hier sind sie:

  • Kritik geben
  • Kontern
  • Überzeugen

Das sind die Themen, die am meisten in meinen Seminaren ausgewählt werden.

Warum werden genau diese Themen ausgesucht?

Die jeweiligen Kommunikationsthemen haben immer mit bestimmten Herausforderungen und Bedürfnisse zu tun.

Beim Thema Kritik, geht es oft um die Angst vor der Reaktion des Gegenübers: „Wenn ich dem sage, was mich an ihm stört, reagiert der vielleicht beleidigt oder er fängt an, mir auch Vorwürfe zu machen“. Einen kritischen Punkt anzusprechen kann deswegen unangenehm sein. Die Seminarteilnehmer wollen oft eine Art Leitfaden, um etwas sicherer ins Gespräch zu gehen und um die Hemmschwelle zu verringern. Wichtig ist es auch, über die Sinnhaftigkeit der Kritik zu sprechen. Denn es geht ja nicht darum den anderen persönlich anzugreifen, sondern die Zusammenarbeit, durch eine Verhaltensänderung zu verbessern.

Beim Thema Kontern, spielt die Verwirrung im Moment eines Angriffs eine wichtige Rolle. Es wird als störend erlebt, nicht bewusst reagieren zu können: „Danach bin ich immer schlauer – hätte ich doch nur … gesagt“. Bei der Schlagfertigkeit geht es nicht darum, genauso „zurückzuschlagen“ wie der Angreifer. Eine konfrontierende und clevere Reaktion ist sinnvoller. Erleben die Teilnehmer, dass es einfache Möglichkeiten gibt schnell zu kontern, entsteht oftmals eine innere Beruhigung: „Ich könnte ja darauf reagieren – muss aber nicht“. Und das macht selbstbestimmter und steigert die Souveränität.

Beim Überzeugen verursachen manchmal innere Wertekonflikte Probleme. Wenn z. B. Mitarbeiter nicht zu 100 % hinter einem Produkt oder einer Vorgehensweise stehen. Dann gilt es, einen stimmigen inneren Weg zu finden, der die eigene Überzeugung klärt. Beim Thema Überzeugen, kann auch die Angst sich vor anderen zu zeigen, eine Rolle spielen. Entdecken die Mitarbeiter beim Präsentieren vor der Gruppe, dass sie ja doch nicht so schlecht sind, wie sie ursprünglich gedacht hatten, ändert sich die Selbstwahrnehmung und man kann freier und überzeugender auftreten. Denn beim Überzeugen, geht es oftmals um das tieferliegende Bedürfnis, sich wirkungsvoll zum Ausdruck bringen zu können.


Fazit

Es gibt viele Kommunikationsthemen, welche die Mitarbeiter beschäftigen. Die Zeit reicht manchmal nicht aus, um in einem Seminar allen Teilnehmern gerecht zu werden. Um ein wirkungsvolles Training zu gestalten, hat sich die geheime Wahl (mit Gewichtung) bewährt. Diese Methode ist auch auf andere Seminare anwendbar, wie z. B. Führung, Zeitmanagement oder ein Gesundheitsseminar. Eine Kritik angemessen geben, Angriffe sinnvoll kontern und überzeugend auftreten können, sind drei der Highlights, welche die Mitarbeiter wirklich interessieren. Werden diese Themen bei der Gestaltung eines Kommunikationstrainings beachtet, kann davon ausgegangen werden, dass für jeden Mitarbeiter etwas Hilfreiches dabei ist.


Bildnachweis: „spotlight“ © Thomas R. (fotolia) / „Metaplan Auswahl“ © Thomas Grenz


Der Autor: Thomas Grenz ist der Entwickler der coach-its®-Methode. Seine Schwerpunkte sind Kommunikation und Selbstcoaching. Er hält Vorträge, führt Seminare durch und berat Firmen bei der Entwicklung spezieller Projekte (wie z. B. Leitbildimplementierung). Thomas Grenz schreibt Bücher , lebt in Ravensburg und ist deutschlandweit tätig. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Herr Grenz für Ihr Unternehmen tun kann?
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